Gekupfert, aber gekonnt
Zu den vornehmsten Aufgaben der Werbung gehört es, gesellschaftlichen Entwicklungen in gebührendem Abstand hinterherzulaufen. Nur so ist sie in der Lage, immer wieder neu entstehende soziale Klumpungsprozesse zu erkennen, auf ihre kommerzielle Nutzbarmachung zu überprüfen und im Idealfall mit einem begeisternden Angebot zu reagieren. Dieses systeminhärente Hinterherlaufen hat in den sich selbst kreativ nennenden Berufszweigen der Werbe- und Kommunikationsbranche offenbar Verhaltensstörungen begünstigt, deren Resultate inzwischen auch für das Laienauge kaum noch zu übersehen sind.
Die Verhaltensstörung der Betroffenen besteht in einer Art Zwangshandlung. Bei der Suche nach diesen begeisternden Angeboten und der sich anschließenden Umsetzung in gestaltete Werbebotschaften wird dabei die eigene Talentfreiheit mit dem Diebstahl geistigen Eigentums kompensiert. Im minderschweren Fall wird das Ganze auch Trittbrettfahren oder Abkupfern genannt. Das führt dann zum Beispiel dazu, wie jüngst geschehen, dass man an einem einzigen Tag Werbung von Volkswagen und von der Bild-Zeitung sehen kann, die nahezu identisch ist, weil sich ihre Gestalter offensichtlich aus derselben Quelle bedient haben. Deutschland ist übrigens eine der wenigen Kulturnationen, in der die dümmsten und dreistesten dieser Verhaltensgestörten sogar mit Auszeichnungen und Medaillen rechnen können.
Es gibt allerdings auch eine Form des Abkupferns, die eine Klasse für sich bildet. Ihre Triebtäter sind keine ahnungslosen Praktikanten oder Agenturgeschäftsführer – ganz im Gegenteil. Es sind die gut Erzogenen, die Fähigen, Klugen, Neugierigen, Experimentierfreudigen, es sind die mit positiver Energie Geladenen. Hier ein Paradebeispiel.




Letzte Kommentare