
Ausschnitt aus der Tageszeitung DIE WELT vom 24. September 2007
Noch gut kann ich mich an den Nachmittag erinnern, an dem ich beim Rückwärtseinparken meines Sports Utility Vehicles dessen Stoßstange beschädigt habe. Beim Aussteigen fiel damals mein Mobiltelefon zu Boden, wodurch unglücklicherweise das Display stark beschädigt wurde. Und beim Öffnen des Regenschirms befürchtete ich schon, der Aufspannmechanismus sei beschädigt, so wie der klemmte.
Haben Sie auch schon mitgekriegt, dass das Verb beschädigen seit geraumer Zeit im deutschen Journalismus nur noch in völlig anderen Zusammenhängen benutzt wird? Gerade gestern las ich, Tom Cruise habe nun doch im Berliner Bendlerblock drehen dürfen. Nach einem Gespräch zwischen Drehbuchautor und Bundesverteidigungsminister sei sichergestellt gewesen, dass die Würde des Ortes nicht beschädigt werde. Wohlgemerkt: die Würde - nicht etwa ein Fenster oder eine Wand. Wenige Wochen zuvor noch war die Anfrage einer Filmproduktion für eine Drehgenehmigung abschlägig beschieden worden. Erregte deutsche Journalisten hatten Öffentlichkeit und Politiker gerade noch rechtzeitig vor der drohenden Katastrophe gewarnt, das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland könne beschädigt werden, wenn man diese nationale Gedenkstätte für die profane Spielfilmproduktion eines Hollywoodstudios zur Verfügung stelle. Natürlich haben sich viele unserer Betroffenheits- und Besorgtheitsjournalisten auch an einer Hatz auf Tom Cruise beteiligt, weil der ja als bekennender Scientologe noch posthum die Ehre von Claus Schenk Graf von Stauffenberg beschädigen könne, wenn er als Hauptdarsteller in besagtem Film die Rolle des Hitlerattentäters übernähme. Aber nicht nur das, auch das Gedenken an den deutschen Widerstand während der Nazizeit insgesamt würde durch dieses Vorhaben vermutlich beschädigt werden, war vielerorts zu lesen.
Glaubt man unseren Starschreibern und Stimmungskanonen, wird im Moment auch das Amt des Bundesinnenministers beschädigt, und zwar sehr, sehr schwer. Wolfgang Schäuble, der derzeitige Amtsinhaber, soll angeblich einen Atombombenangriff von Osama bin Laden vorausgesagt haben. Und zwar in der Fußgängerzone eines deutschen Provinzstädtchens, womöglich in Rheda-Wiedenbrück. Da klingt es irgendwie fast anrührend harmlos, dass der Schweizer Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank schon vor Jahren bloß den guten Ruf des Finanzplatzes Deutschland beschädigt hat. Er war während eines Gerichtstermins in Düsseldorf von einem Fotografen dabei erwischt worden, wie er kurz davor stand, zwei Finger in seine Nasenlöcher zu stecken. Der DAX ist übrigens seitdem um über 200 Prozent gestiegen. Er war offensichtlich der Einzige, der von dieser Beschädigung nichts mitbekommen hat.
Man müsste mal über das Wort Dachschaden nachdenken.
Letzte Kommentare