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28. September 07

Apropos „kognitive Dissonanz”

Pharmapack

Schaufensterplakat für das Rowohlt-Buch „Kranke Geschäfte” von Markus Grill

Im Gegensatz zu den pubertierenden Jungs von PricewaterhouseCoopers (siehe vorheriger Artikel) haben die Buchwerber von Rowohlt kapiert, wie man sich sowas zunutze macht.

27. September 07

Kein Schwein braucht Louis Vuitton

Lvschwein

Der Belgier Wim Delvoye beim Tätowieren eines Schweins mit Louis-Vuitton-Logos

Muss das sein? Darf das sein? Kann das sein? Ist das dekadent? Ist das pervers? Ist das Konsumkritik? Ist das Kunst? Ist das Tierquälerei? Fragen über Fragen. Aber bitte nicht an mich. Siehe www.wimdelvoye.be

„Unternehmensberater sind Wichser”

Pricewaterhousecoopers

AntiFraudSolutions von PwC

Der meistzitierte Spruch in den Nachrufen auf die gerade verstorbene Bodyshop-Gründerin Anita Roddick ist deren Pauschalabqualifizierung der Unternehmensberater-Branche. Businessclass-Passagiere der Lufthansa können sich zurzeit ein ganz besonderes Ejakulat von Unternehmensberatern auf der Zunge zergehen lassen. In Form von zwei Macadamia-Pralinen, dargereicht in einer Pharma-Verpackung mit Antidepressiva-Anmutung, inkl. Beipackzettel mit Werbung für beratenden Beischlaf bei Wirtschaftskriminalität. Ein Paradebeispiel für kognitive Dissonanz, weder intelligent noch lustig. Trotzdem haben alle geschmunzelt. In unserer schmutzigen Phantasie konnten wir die Jungs von PricewaterhouseCoopers stöhnen hören, als ihnen diese Idee gekommen ist.

26. September 07

What is stunning? Kleiner Nachhilfe-Kurs für deutsche ADC-Mitglieder

Nikon

Stunning Online-Werbung von Nikon USA

Seien wir ehrlich. Die oben abgebildete Anzeige aus der Online-Edition der New York Times ist unter Garantie nicht das, was ein gewöhnliches deutsches ADC-Mitglied für brilliante Werbung halten wird. Das gewöhnliche deutsche ADC-Mitglied glaubt ja bis heute, dass Werbung kreativ sein müsse, wohingegen amerikanische Werbeprofis den Standpunkt vertreten, dass es völlig ausreicht, wenn sie einfach gut ist. Schnell anschauen, solange das Zeug noch online ist: www.stunningnikon.com

Meine Hochachtung und Verehrung gilt den Machern von McCann-Erickson New York.

25. September 07

Deutscher Journalismus schwer „beschädigt”

Dieweltcruise

Ausschnitt aus der Tageszeitung DIE WELT vom 24. September 2007

Noch gut kann ich mich an den Nachmittag erinnern, an dem ich beim Rückwärtseinparken meines Sports Utility Vehicles dessen Stoßstange beschädigt habe. Beim Aussteigen fiel damals mein Mobiltelefon zu Boden, wodurch unglücklicherweise das Display stark beschädigt wurde. Und beim Öffnen des Regenschirms befürchtete ich schon, der Aufspannmechanismus sei beschädigt, so wie der klemmte.

Haben Sie auch schon mitgekriegt, dass das Verb beschädigen seit geraumer Zeit im deutschen Journalismus nur noch in völlig anderen Zusammenhängen benutzt wird? Gerade gestern las ich, Tom Cruise habe nun doch im Berliner Bendlerblock drehen dürfen. Nach einem Gespräch zwischen Drehbuchautor und Bundesverteidigungsminister sei sichergestellt gewesen, dass die Würde des Ortes nicht beschädigt werde. Wohlgemerkt: die Würde - nicht etwa ein Fenster oder eine Wand. Wenige Wochen zuvor noch war die Anfrage einer Filmproduktion für eine Drehgenehmigung abschlägig beschieden worden. Erregte deutsche Journalisten hatten Öffentlichkeit und Politiker gerade noch rechtzeitig vor der drohenden Katastrophe gewarnt, das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland könne beschädigt werden, wenn man diese nationale Gedenkstätte für die profane Spielfilmproduktion eines Hollywoodstudios zur Verfügung stelle. Natürlich haben sich viele unserer Betroffenheits- und Besorgtheitsjournalisten auch an einer Hatz auf Tom Cruise beteiligt, weil der ja als bekennender Scientologe noch posthum die Ehre von Claus Schenk Graf von Stauffenberg beschädigen könne, wenn er als Hauptdarsteller in besagtem Film die Rolle des Hitlerattentäters übernähme. Aber nicht nur das, auch das Gedenken an den deutschen Widerstand während der Nazizeit insgesamt würde durch dieses Vorhaben vermutlich beschädigt werden, war vielerorts zu lesen.

Glaubt man unseren Starschreibern und Stimmungskanonen, wird im Moment auch das Amt des Bundesinnenministers beschädigt, und zwar sehr, sehr schwer. Wolfgang Schäuble, der derzeitige Amtsinhaber, soll angeblich einen Atombombenangriff von Osama bin Laden vorausgesagt haben. Und zwar in der Fußgängerzone eines deutschen Provinzstädtchens, womöglich in Rheda-Wiedenbrück. Da klingt es irgendwie fast anrührend harmlos, dass der Schweizer Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank schon vor Jahren bloß den guten Ruf des Finanzplatzes Deutschland beschädigt hat. Er war während eines Gerichtstermins in Düsseldorf von einem Fotografen dabei erwischt worden, wie er kurz davor stand, zwei Finger in seine Nasenlöcher zu stecken. Der DAX ist übrigens seitdem um über 200 Prozent gestiegen. Er war offensichtlich der Einzige, der von dieser Beschädigung nichts mitbekommen hat.

Man müsste mal über das Wort Dachschaden nachdenken.

24. September 07

René Obermarkenmann auf Droge

Congstar

Deutsche Telekom: Branding for Dummies

„Deutschland lacht über die Telekom” war der Titel eines kleinen Telekom-Hasser-Büchleins, dass vor ein paar Jahren erschien. Als „Teledumm” und „Telekotz” wurde das Unternehmen darin verhöhnt, weil es sich offenkundig als unfähig erwies, den Markterfordernissen zu entsprechen.

Mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden soll nun mal wieder alles besser werden – sogar im Marketing. Er, der Mitverursacher des grauenvollen Kommunikations-Mülls, den er jetzt bereinigen will, hat sich mit Beratungs-Superstars in Klausur begeben. Und siehe da, die Mitglieder der Deutschen Architektenkammer dürfen sich freuen: es gibt eine brandneue Markenarchitektur. Damit das dumme deutsche Telekom-Unterschichts-Volk das megacoole fremdsprachige Markenarchitekturstrategiekonzeptionskondensat aber auch aussprechen kann, gibt es ab sofort die Reklamehimmel-Aussprachehilfe.

21. September 07

Scheiß-Qualität bei Apple MacBooks

Apple

Herr Ive, hier stimmt was nicht

Zu Weihnachten für die ganze Familie gekauft, leiden jetzt schon zwei MacBooks an Materialverschleiß. Nur vom Handauflegen. Jobs, schämen Sie sich.

20. September 07

Schweizer Typografie steht Kopf

Swisstypo

Züricher Traditionshaus „Hotel zum Storchen”

Die „Schweizer Typografie” war während meiner Lehrzeit als Schriftsetzer das, was es gestalterisch nachzuahmen galt, wenn man auf der Höhe der Zeit sein wollte. Das einzigartige daran: Der Schweizer Gestalter brauchte für sein ganzes Berufsleben nur zwei Schriftfamilien, die Akzidenz-Grotesk und die Helvetica.

Unsere deutschen Setzkästen quollen zu der Zeit noch über von Serifenschriften. Die schwerste von allen war die fette Volta. Ein paar Zeilen von deren 48 Punkt-Grad vom Winkelhaken ins Satzschiff gehievt, da wusste man am Abend, dass man geschuftet hatte. Meinem Oberarm-Umfang kann man das noch heute ansehen.

Als ich letztes Wochenende in Zürich war, musste ich zu meiner großen Überraschung feststellen, dass von der „Schweizer Typografie” nicht viel übrig geblieben ist. Stattdessen hing meine Schwermetall-Volta an der Fassade des berühmten „Hotel zum Storchen”, das „S” auf dem Kopf stehend. Mann, das tut richtig weh.

19. September 07

Ist Nation Branding postkolonialer Größenwahn?

Monocle

Titelausschnitt der September-Ausgabe von MONOCLE

Der von mir heißgeliebte Oberschlaumeier und Supergeschäftemacher, Warenfetischist und Stylingmissionar, Wallpaper-Gründer und Monocle-Träger Tyler Brûlé hat in der September-Ausgabe seines Magazins für gelangweilte Gulfstream- und Falcon-Besitzer sein Lieblingsthema zum Schwerpunkt gemacht: Nation Building und Nation Branding. Bitte lesen. Muss man sowas ernst nehmen? Darf man es vielleicht sogar gut finden? Oder ist es ein Fall für die Klapsmühle? Hilfe!

18. September 07

MCM-Gründer tot, Marke lebt

Mcm

Die MCM-Story von Michael Cromer, das Buch zum Koffer, den er mir vor 15 Jahren schenkte

Er hat es gerade noch geschafft, seine schillernde Lebensgeschichte aufzuschreiben und noch einmal bundesweite mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Jetzt ist Michael Cromer an den Folgen einer Operation gestorben.

Viele haben diesen ewigen Charmeur und Sunnyboy und sein Nutten- und Zuhältergepäck gehasst, ich aber habe ihn gemocht. Er war ein großer Junge, der einfach nicht erwachsen werden wollte. Er war ein Spieler mit großem persönlichem Einsatz und ein Träumer, der gelegentlich sogar vergaß, Einkommenssteuer zu bezahlen.

Mir wird er mit einem besonderen Satz in Erinnerung bleiben. Es ging um ein paar hunderttausend Euro, die er mir schuldete. Während ich ziemlich nervös war, hat er mich am Telefon generös abgespeist: „Herr Kreutz, ich habe Rechnungen bislang immer bezahlt. Die Frage war nur wann.” Vier Wochen später war das Geld da, Geschäfte wollte ich mit ihm aber trotzdem keine mehr machen.

Sein unkonventionelles Geschäftsgebaren hat ihm schließlich selbst erst das Kreuz und dann das Herz gebrochen. Mit welch dubiosen Winkelzügen seine Firma massakriert wurde, die MCM-Markenrechte in die Hände einer koreanischen Geschäftsfrau gerieten und er selbst in eine Sozialwohnung, das alles ist großes Kino und kann jetzt nachgelesen werden. Aber Achtung: der Erzähler heißt Cromer.

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Mein Anzeigenmotiv zu seiner Geschäftseröffnung in Paris

17. September 07

Reklamehimmel, Version 2.0

Herzlich willkommen zur Version 2.0 des Reklamehimmel. Nochmal 100 Tage Blog-Experiment, weil ich da noch ein paar Fragen habe.

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