Vom englischen Klassenkampf zum deutschen Grünen-Logo: der lange Marsch der Gebrüder Saatchi
Am Freitag, dem 1. Dezember 2006, lehnte die Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Nürnberg einen Vorschlag der Parteispitze für ein neues Parteilogo ab (siehe erster Reklamehimmel-Artikel). Und zwar nicht, weil dieses Logo aussah wie die Bastelarbeit eines Spastikers - was ja bei den grünen Menschenfreunden noch akzeptabel gewesen wäre - nein, Ablehnungsgrund war die politische Brisanz dieses Entwurfs, der vorsah, „Bündnis 90” deutlich kleiner zu schreiben als „Die Grünen” und dadurch den ostdeutschen Parteiteil für alle sichtbar zu marginalisieren.
Nun wurde unter dem Vorsitz der grünen Obernaiven Claudia Roth eine Kommission gebildet mit dem Ziel, Alternativen zu der verworfenen Logo-Missgeburt zu erarbeiten. Unter den tausenden von Werbe- und Designagenturen und -büros, die für diese Handwerksarbeit in Frage gekommen wären, hat man sich – man will ja partout seine politische Naivität bewahren – ausgerechnet das Berliner Büro der ehemaligen Kommunikations-Pitbulls der britischen Konservativen unter Margaret Thatcher (der „Eisernen Lady”) ausgesucht. M&C Saatchi heißt die Agentur. M&C steht für Maurice und Charles, die Gründer des Ende der 80er-Jahre weltweit grössten Werbedienstleistungs-Konglomerats Saatchi & Saatchi. Die beiden waren in einem spektakulären Aktionärsaufstand aus der Firma gedrängt worden, hatten sich dann mit M&C Saatchi erneut erfolgreich selbständig gemacht und sind inzwischen wieder an der Börse notiert. Charles Saatchi stieg nebenbei zum weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Sammler von Gegenwartskunst auf. Maurice, sein älterer Bruder, wurde für seine Verdienste um den Machtgewinn und -erhalt der britischen Konservativen von der Queen auf Vorschlag des Premierministers John Major zum Lord ernannt und war mehrere Jahre Co-Parteichef der Torys.
Und nun also ein geldwerter Auftrag von den deutschen Grünen für die Berliner Dependance der Brüder aus Bagdad. Suppi, Claudia, hast du wieder toll gemacht. Dafür lieben wir dich. Mehr dazu hier.




Whow! Welch einen Skandal Ihr da aufgedeckt habt. Saachi ist inzwischen von den Torys zu Labour gewechselt, macht den nächsten Wahlkampf von Gordon Brown. Wahrscheinlich machen irgendwelche Töchter des Unternehmens weltweit Wahlkampf für die unterschiedlichsten Parteien. Genau wie bei den anderen Netzwerkagenturen. Weil entscheidend für die Agenturwahl nun mal ist, dass die Argenturleute vor Ort und der Kunde zusammenpassen.
Aber wir sind natürlich politisch korrekt und verlangen von den Grünen, dass Sie ihre Werbung von einer Agentur machen lassen, die bisher nur Naturkost beworben hat. Und wenn die Werbung der Grünen dann entsprechend aussieht wählen wir sie zur Strafe nicht. Irgendwie clever.
Kommentiert von: Werbefuzzi | 16. Oktober 07 um 18:29 Uhr