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08. November 07

Darf einer wie Bernd M. Michael einen wie Steve Jobs beleidigen?

Berndmmichael

Bernd M. Michael, stets elegantest gewandeter Inhaber eines Büros für „Marken-Architektur” vor einem seiner superchicen Powerpoint-Charts — auf einer Konferenz der Hamburger SinnerSchrader AG

Steve Jobs, der charismatische Chef von Apple, neuerdings von Medien und Anhängerschaft auch als iGod verehrt, kann zwei Sorten von Menschen nicht ausstehen: Leute mit schlechtem Geschmack und Schwätzer. Wenn er von Journalisten auf Äußerungen angesprochen wird, die diese Art von Menschen öffentlich über ihn abgesondert haben, lautet seine süffisante Antwort neuerdings so: „Ich mag ihn sehr, aber er ist wirklich Old School”.

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG kam neulich auch so einer zu Wort, in einem Artikel mit der für Apple-Kenner schon inhaltlich bizarren Wichtigtuer-Schlagzeile „Ein genetischer Code — Konzentration auf die Monomarke Apple zahlt sich aus”. Zitat: „Der jüngste Schritt der Marke Apple zum iPhone sei abermals mutig, zeige er doch auf, wie weit eine Dachmarke tragen könne. Er dokumentiere eine bahnbrechend neue Vorgehensweise, die die jahrzehntelang geltende Regel für Markenführung neu justierte, hat ein anderer, Bernd M. Michael, Inhaber des BMM Büro für Marken-Architektur, in einem Aufsatz geschrieben. Bisher hieß die Kernfrage aller Markentechniker immer: Wie weit kann und darf man eine Marke spreizen, ohne dass sie ihre Kernkompetenz verwässert oder sogar gefährdet?”

Wow! Dachmarke! Bahnbrechend! Markentechnik! Spreizung, Verwässerung, Gefährdung! Kernkompetenz! Mutig!

Bernd M. Michael, der Wortakrobat dieser Zeilen, ist der kürzlich in den Ruhestand geschickte Ex-Chef der Deutschlandzentrale der Werbeagenturgruppe GREY, was auf Deutsch „grau” bedeutet. Gemeint ist in diesem Fall aber nicht ein flirrendes Leuchtgrau, ein subtil elegantes Greige oder dieses leicht ins Kardinalrot tendierende Schwergrau, das einem nach der vierten Flasche Grauburgunder in den Kopf steigt, nein, gemeint ist im Fall der Werbeagentur GREY das klassische Mausgrau. Und zwar das Fahlgrau einer toten Maus. Heerscharen von Kreativen meiner Generation machten sich über diese Werbeagentur GREY und deren stets erlesen geschmacklos gekleideten, in seinen Kreisen durchaus angesehenen Chef lustig. Nicht, weil er, der Mann mit den vielen Fleißkärtchen, es tatsächlich schaffte, aus einem kleinen einen großen Laden zu machen, sondern weil er dabei das nahezu unnachahmliche Kunststück fertig brachte, hunderte, wenn nicht tausende von Auszeichnungen für effiziente Werbung zu ergattern, ohne auch nur einen einzigen kreativen Zufallstreffer zu landen, mit dem die Agentur sich hätte bei internationalen Kreativwettbewerben dauerhaft profilieren können. Wer je zu Michaels Zeiten in Düsseldorfs hässlicher Corneliusstraße vom Gehweg aus einen Blick in die Büros von GREY wagte, kann sich nur schwer vorstellen, dass ein Kreativer mit einer Restmenge von Stil es in dieser Legebatterie für Werbebeamte hätte länger als fünf Minuten aushalten können.

Schwerwiegend ist auch das von Herrn Michael während seiner Zeit bei GRAU herausgegebene eintausendachthundert Seiten starke „Werkbuch M wie Marke“. Wer es nicht wie ich von vorne bis hinten gelesen hat, würde nicht glauben, dass man darin keinen einzigen — ich wiederhole: keinen einzigen — originären oder gar originellen Gedanken findet.

Wenn ein geschmacklich dermaßen kontaminierter Bürobetreiber für „Marken-Architektur” es wagt, in solch unverschämt ahnungsloser und dabei gönnerhaft wertender Weise öffentlich die Worte Apple und Steve Jobs in den Mund zu nehmen, grenzt das an iGotteslästerung. Vielleicht sollte der Mann mit seinem Büro für „Marken-Architektur” mal einen Statiker beauftragen, der sein Theoriegebäude auf Einsturzgefahr überprüft. Und wenn die FAZ dergleichen druckt, kann das nur mit der alten Berufs-Definition entschuldigt werden, wonach Journalisten Menschen sind, die nur selten über Dinge schreiben dürfen, von denen sie etwas verstehen.

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Darf einer wie Bernd M. Michael einen wie Steve Jobs beleidigen?:

Kommentare

Die Aussagen sind inhaltslos, das Thema wohl die interessanteste Entwicklung in Sachen Markenführung der letzten Jahre. Für mich war der iPod das perfekte Ding und die perfekte Marke, weil er nur eines konnte, das dafür perfekt. Er war und ist die Musiksammlung für die Hosentasche. Alles, was nachher kam, Videos, Fotos, Kalender u.s.w., war immer nur Beigemüse. Mit dem iPhone und dem iPod Touch ändert sich die Ausrichtung des Geräts radikal. Plötzlich ist der iPod der Experte für eh alles, mit allen Kompromissen, die dazu gehören. Apple hat sich dem Vernehmen nach auch wirklich schwer getan, diesen Schritt zu gehen, hatte Respekt vor dem Eintritt in den Smartphone- und Konvergenzbereich. Es wird nur funktionieren, wenn Apple seinen alten Tugenden (=Markenkern) treu bleibt: Dinge von Grund auf neu erdenken (Design im eigentlichen Sinne) und zwar so, dass der Benutzer leicht damit umgehen kann. Für mich ist noch offen, ob das iPhone dieses Versprechen hält.

bei diesem ganzen Gefasel wird von den Marken-Gurus oft etwas ganz elementares vergessen. Wenn das Produkt gut ist und innovativ kommt das der Marke zugute. Dann kann man das ganze im Sinne der Marke auch nutzen. Wenns das nicht ist, kann man an der Marke rumdoktoren wie man will .... wird halt doch nix.

Apple hat ein gute, innovative Produkte. Dadurch hat es ne gute Marke.

Manchmal isses ganz einfach.

Apple war, ist und bleibt eines der am meisten überbewerteten Marken der Welt.

Sie versuchen über ihr Produktdesign das zu kaschieren, was andere viel besser können.

Niemals werde ich mehr Apple nutzen.

und was können andere soviel besser? Ich bin sicher keiner dieser Apple-Jünger, aber im Großen und Ganzen finde ich die Produkte gelungen. Beispiele?

Naja, das iPhone ist jetzt technisch nicht gerade state of the art. Bei Rechnern sehe ich allerdings nicht mal ansatzweise, dass da irgendwas "kaschiert" werden muss.

"...das iPhone ist jetzt technisch nicht gerade state of the art..."

Und was heisst das jetzt? Muss jedes gerät alles können? Für mich ist das iPhone perfekt, weil ich auch sonst mit Apple arbeite. Was soll ich da mit Blackberry oder irgendwelchen Nokias, die sachen können, die ich nicht brauche? Warum muss ein telefon mit 5 megapixeln fotografieren?

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