Der Ex-Schauspieler vor seinem letzten Auftritt in einer Düsseldorfer Schmierenkomödie
Es hat immer wieder etwas Mitleid erregend Peinliches, wenn in die Jahre gekommene Berühmtheiten skrupellosen Geschäftemachern auf den Leim gehen, die ihnen irgendeinen windigen Superlativ anzuhängen versuchen. Gestern Abend zum Beispiel ließ sich mein Lieblingsschauspieler Mario Adorf auf eine geradezu entwürdigende Weise zum Affen machen.
Ein mehr als seltsamer Seminarveranstalter mit Hang zu unfreiwilliger Komik (siehe hier) hatte sich als Abschluss und Höhepunkt eines kuriosen 2-Tage-Kongresses mit Themen wie „Steigern Sie Ihr Lesetempo” und „Ausgekuschelt. Konsequent führen” einen abartigen PR-Gag ausgedacht: Die Verleihung von „Best Human Brand Awards 2011”. Für die Kategorie „Best Human Brand Lifework” hatte man sich als Opfer Mario Adorf ausgesucht. Und Mario Adorf tappte prompt in die Falle.
Für die Auszeichnung vorgeschlagen wurde er von einer Jury, die laut Eigenwerbung
Greta Andreas, Management, Coaching, Booking bekannter Persönlichkeiten, Inhaberin Agentur GoldenGap, Köln;
Jon Christoph Berndt, Markenexperte und Managementtrainer, selbsternannter Human-Branding-Erfinder und Award-Initiator, Inhaber brandamazing: Unternehmensberatung für Markenkommunikation, München;
Prof. Dr. Sven Henkel, Center for Customer Insight, University of St. Gallen, CH-St. Gallen;
Prof. Dr. Dieter Herbst, Kommunikationsexperte, Autor (u.a. „Der Mensch als Marke”), Geschäftsführer source1 networks, Berlin;
Dirk Noack, Erfinder des Persönlichkeits-Kongresses „Characters”, Geschäftsführer VKU Service, Berlin;
Ulrike Ramsauer, Rednervermittlerin, Inhaberin Ramsauer Redner-Management, Fuchstal;
Michael Stark, Personal Manager für Künstler, Geschäftsführer Stark Media und Master Entertainment, Frankfurt.
Begründung der Jury für die Verurteilung Mario Adorfs: „Mehr Marke geht nicht.” Die Laudatio wurde einem Unternehmensberater anvertraut, der sich der Aufgabe in der für seine Zunft eigenen, intellektuell restfrei entsorgten Manier entledigte.
Nun ist Mario Adorf also kein Schauspieler mehr, sondern eine „Human Brand”, deren „Lifework” darin bestand, Film-, Theater- und Fernsehrollen zu spielen. Gestern hatte er wohl seinen perversesten Auftritt, den er sich und mir zuliebe hätte ablehnen sollen.
Falls Sie sich nun fragen, was eine „Human Brand” eigentlich ist, werden Sie es demnächst hier erfahren. Reklamehimmel bereitet einen ausführlichen Artikel vor, der erscheinen wird, sobald sich der Autor von seinen Lachkrämpfen erholt hat. Bis dahin können Sie sich schon mal mit einem Artikel über eine ähnlich groteske Veranstaltung darauf einstimmen. Hier.




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