OB Dirk Elbers bei der Demonstration seiner Kernkompetenz (Foto: duesseldorf.de)
Mode-Hauptstadt. Kunst-Kapitale. Werbe-Metropole. Das war Düsseldorf. Neunzehnhundertachtzig. Diese Begriffe waren keine Erfindungen von Etikettenschwindlern – sie beschrieben treffend die Wirklichkeit. Sie klangen in den Ohren eines in Stuttgart geborenen erzkonservativen Schwaben mit Schulerfahrungen in einer Pietisten-Hochburg wie eine Verheißung. Ich konnte ihrem fast pornografischen Reiz nicht lange widerstehen. Mitte 1980 packte ich schließlich meine Sachen und zog nach Düsseldorf. Zwar dachte ich anfangs, ich hätte mich ins Freiluftgehege eines industriell betriebenen Sonnenstudios verirrt, aber das zwanghafte Gutaussehenwollen der Düsseldorfer hatte auch Vorteile, die ich schnell zu schätzen lernte: es sah nämlich gut aus. Das Bestreben allerdings, meinen goldmetallicfarbenen Rolls-Royce Silver Cloud II am helllichten Sonntagmittag auf der Kö genauso unbeachtet parken zu können wie in Stuttgarts Innenstadt am Samstagvormittag, war auf Dauer zum Scheitern verurteilt und führte letztlich zu dessen Verkauf. Ich hatte nach kurzer Zeit keine Lust mehr, mich nach dem Besuch des Café Heinemann durch eine gaffende Menschentraube hindurch ans Steuer zu quälen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass der Düsseldorfer nicht nur gerne durch Oberflächliches beeindruckt, sondern sich auch gerne durch Oberflächliches beeindrucken lässt.
Womit wir beim Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers wären. Man muss nur ein einziges Mal miterlebt haben, wie der Herr durch eine Hotellobby stolziert, um zu wissen, dass auch er gerne etwas hermacht. Da er im Gegensatz zu seinem in Thüringen geborenen Vorgänger bislang keine originären kommunalpolitischen Leistungen von stadthistorischer Bedeutung vorweisen kann, startete er jetzt eine gleichermaßen banale wie überflüssige Kommunikations-Initiative (siehe hier), die „ein neues Erscheinungsbild, also ein ‚Corporate Design’ der Stadt” hervorbringen soll. Gestaltet von der Niederlassung der Berliner Meta Design AG, so viel scheint schon einmal festzustehen. „Wir wollen die Konturen, die wir haben, schärfen und eine Marke kreieren – deutlicher machen - um damit dann auch Werbung zu machen über Düsseldorf hinaus natürlich in die Welt hinein” verkündete Elbers mit unfreiwilliger Komik im Kölner Radiosender EINSLIVE.
Mit Verlaub, dieses strunzdumme Marken- und Corporate-Design-Gesülze ist eines Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Düsseldorf unwürdig. Niemand hat für einen solchen Quatsch Steuern bezahlt. Es gehört zwar zu den Privilegien eines Politikers, Ämter im Amateurstatus ausüben zu dürfen. Das heißt aber noch lange nicht, dass er deshalb Lobbyisten auf den Leim gehen muss, deren oberste Maxime es ist, ihren eigenen Interessen zu dienen. Berlins OB Klaus Wowereit gab vor Jahren ein warnendes Beispiel. Seine „Markenoffensive” für die Bundeshauptstadt verschlang einen zweistelligen Millionenbetrag und versandete im Nichts. Siehe – unter anderem – hier.
Man mag es bedauern, dass Düsseldorf nicht mehr als Mode-Hauptstadt gesehen wird, keine Kunst-Kapitale mehr ist und auch keine Werbe-Metropole. Trotzdem – vielleicht auch deswegen – ist es mehr denn je ein Dorf an der Düssel, in dem es sich entspannt und komfortabel leben und arbeiten lässt. Selbst wenn die erste Bürgerpflicht, die Ruhe, ab und zu gestört wird – wie neulich vor meinem Schlafzimmerfenster, als zwei Porsches in Flammen aufgingen. Und dass im Schweizer Internat meines Sohnes Schüler aus Düsseldorf als „Poser” verspottet werden, ist keineswegs immer als Beleidigung zu verstehen.
Düsseldorf braucht kein „Corporate Design”. Düsseldorf braucht keine „Marke”. Düsseldorf braucht nicht Millionen verpulvern für die scheinbare Lösung eines künstlich aufgeblähten Pseudo-Problemchens, das Dutzende von Städten gerne hätten. Düsseldorf braucht aber offensichtlich dringend einen neuen Oberbürgermeister.
Im August 2014 ist der nächste Wahltermin. Bitte vormerken.




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