Werbung für eine Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf (Foto: Bernd Kreutz)
Was sehen wir hier? Wir sehen einen auf Großplakatdimension vergrößerten, leicht verwackelten Schnappschuss, wie ihn in Teheran schon Millionen von Menschen beim An- oder Abflug durch ein Flugzeugfenster hindurch aufgenommen haben. Dieses Bild soll auf eine Ausstellung aufmerksam machen, die derzeit im Düsseldorfer NRW-Forum stattfindet. Deren Titel: STATE OF THE ART PHOTOGRAPHY.
Jeder, der halbwegs der englischen Sprache mächtig ist, weiß, dass als State of the Art die höchstentwickelte Form einer Disziplin bezeichnet wird. Aber genau die wird hier nicht gezeigt. Im Gegenteil. Zu sehen ist die am niedrigsten entwickelte Form der Fotografie, nämlich das allergewöhnlichste touristische Erinnerungsbildchen, wie es täglich massenweise und vollkommen ambitionsfrei geknipst wird.
Was wollen uns die Düsseldorfer Ausstellungsmacher mit ihrem Ausstellungstitel also sagen? Dass sie des Englischen nicht mächtig sind? Dass sie ein müdes Sprachwitzchen auf Kalauerniveau zustande gekriegt haben und wahnsinnig stolz darauf sind? Oder gar, dass sie mit dem Titel provozieren wollten - wohlwissend, dass der ihrer Intention entsprechend bestenfalls STATE OF THE ART ART PHOTOGRAPHY hätte lauten dürfen?
Wir wissen es nicht und werden es wohl auch nie erfahren. Denn auch um Fotokunst geht es in dieser Ausstellung nicht. Nicht einmal um künstlerische Fotografie oder Kunstfotografie, wie man annehmen sollte. Nein, hier handelt es sich um nichts Weiteres als eine Art Casting Show für den Nachschub des hiesigen Kunstmarktes.
Über Oliver Helbig, der es mit seinem hier gezeigten Plakatmotiv in den Recall geschafft hat, urteilte die Jury wie folgt: „Oliver Helbig wurde 1972 in Ruit bei Stuttgart geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin. Von 1994 bis 2002 studierte er bei Professor Bernhard Prinz an der Universität Essen. Im Jahr 2002 erhielt er ein Stipendium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die Arbeitsweise von Oliver Helbig wird so beschrieben: Oliver Helbig ist Fotograf. Seine Aufzeichnungen folgen nicht einer seriellen Konzeption oder einem definierten Sujet. Vielmehr wird das Wahrgenommene in Versatzstücke von Orten und Gesten übersetzt. Die Form findet sich in der Unschärfe der Überlagerung von Gesehenem und Erinnertem. Es entsteht ein hierarchieloses Archiv.″
Hätte Oliver Helbig anstatt bei einem Universitäts-Professor zu studieren sein Handwerk bei einem Fotografenmeister wie Willy Gursky erlernen dürfen, wäre uns sowohl diese grauenerregende Verkaufsprosa als auch das zugehörige Bild erspart geblieben. Allerdings hätten wir dann auch nichts zum Lachen gehabt.
Vielleicht aber etwas zum Staunen.




"Also ich glaube, der Kreutz sieht richtig".
Kommentiert von: Dietmar Henneka | 07. Februar 12 um 13:59 Uhr