Schwäbische Brezel: Werbegag des Stuttgarter OB-Kandidaten Sebastian Turner wird zum Symbol des Niedergangs der CDU Baden-Württemberg (Copyright: Kreutz & Partner)
Angela Merkels absehbar mißratener Unterstützer-Auftritt für Sebastian Turner auf dem Stuttgarter Marktplatz: begleitet von Hohn und Spott (Foto: Eberhard Rapp)
Die schwäbische Brezel, durch die bekanntlich dreimal die Sonne scheint, stand Pate für einen Smiley der CDU Baden-Württemberg in der Ära des Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten Erwin Teufel und seines Generalsekretärs Volker Kauder. Baden-Württemberg und der CDU ging es gut in jenen Jahren. Sehr gut sogar.
Als Teufel schließlich von seinem Amt zurücktrat und auch den Vorsitz der CDU Baden-Württemberg niederlegte, tat er dies nicht mangels Erfolgen, wegen eines Skandals oder der Berufung in ein anderes Amt. Nein, er war der erste Ministerpräsident des Ländles der unbegrenzten Möglichkeiten, der aus seinen Ämtern gemobbt wurde. Mit den widerlichsten Methoden. Von den eigenen Parteifreunden. Der Theaterkritiker der FAZ hat darüber eine beklemmende Charakterstudie veröffentlicht.
Heute weiß man, dass Teufel einer der letzte Vertreter jener Nachkriegs-Politikergeneration war, die auch aus politischen Motiven an die Spitze der staatlichen Institutionen strebte. Und nicht überwiegend aus profanen persönlichen Gründen, wie etwa Karriereüberlegungen, Zeigegeilheit oder gar Langeweile.
Obwohl vom Volk gewählt, vertreten viele von Teufels heutigen „Parteifreunden″ in Baden-Württemberg nicht mehr das Volk. Sie simulieren dessen Vertretung nur noch. Allerdings vereinzelt dermaßen erbärmlich, dass inzwischen sogar die Stammwähler wegbleiben.
Der CDU Landespartei-Vorsitzende Thomas Strobl ist einer der Realitätsfernsten dieser neuen Politiker-Gattung. Schon in seiner Zeit als Generalsekretär beim Nachfolger von Teufels „Königsmörder″ Oettinger, wollte partout nicht in seinen Kopf, dass unter den Stuttgart21-Gegnern und „Montags-Demonstranten″ auch sehr viele traditionelle und gutbetuchte CDU-Anhänger waren. Am Abend des Tages, an dem die erschreckenden Fernsehbilder des brutalen Polizeieinsatzes gegen diese Demonstranten um die Welt gingen, hat der Mann eine offizielle Stellungnahme seiner Partei abgegeben.
Zitat: „Der Rechtsstaat darf nicht vor der Agitation linksextremistischer Protest-Anführer zurückweichen. Darum steht die CDU glasklar hinter dem Vorgehen der Polizei und wir danken den Polizistinnen und Polizisten für ihre Arbeit, die ganz sicher nicht einfach ist.″
Und weiter: „Absolut unverantwortlich ist es, wie von der Anti-S21-Bewegung Kinder für ihre Zwecke instrumentalisiert und missbraucht werden und sie quasi als Schutzschild in die erste Reihe des Protests gestellt werden. Das ist geradezu widerlich.″
Nun, vor dem zweiten Wahlgang zur Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters, droht er mit dem Weltuntergang: „Mit einem Grünen in der Villa Reitzenstein und einem Grünen als Oberbürgermeister im Stuttgarter Rathaus stirbt ‚Stuttgart 21′.″
Der Vorsitzende der CDU Baden-Württemberg will immer noch nicht wahrhaben, dass solche Sprüche nicht einmal mehr bei S21-Anhängern ankommen. Niemand fühlte sich bedroht, wenn dieses Projekt nicht realisiert werden würde. Außer den Profiteuren.
Der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Stefan Kaufmann und sein „parteiloser″ OB-Kandidat Sebastian Turner interpretierten dessen unerwartet schlechtes Abschneiden im ersten Wahlgang mit einer Realitätsferne, die der Strobls in nichts nachsteht: „Das Wahlergebnis zeigt klar, dass die Mehrheit der Wähler einen parteilosen und überparteilichen OB wünscht.″
Am 21. Oktober haben die Stuttgarter nochmal das Wort.
Nur die schwäbische Brezel kann sich nicht gegen ihre Vereinnahmung als Wahlkampf-Symbol dieser Herren zur Wehr setzen. Sie wird mit dieser Schande leben müssen.
Mein Vorschlag: wir sollten ihr verzeihen.
Siehe auch hier.




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