SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo stellt seinen Lesern seltsame Fragen (Foto: Bernd Kreutz)
Dem aktuellen Heft des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL liegt ein Brief des Chefredakteurs Georg Mascolo bei. Es geht darin um eine bundesweite SPIEGEL-Umfrage („Zukunftsprognose 2012″). Ein „Dankeschön-Paket″, bestehend aus einem Testabo zum Vorzugspreis, einem Wunschgeschenk (wahlweise ein Reisetaschen-Set, 3-teilig, oder eine Armbanduhr) und einem Gewinnspiel (1. Preis: ein Kia Sorento) soll dazu animieren, den beigefügten Fragebogen auszufüllen und (portofrei) zurückzuschicken.
Schon die erste Frage ist an Irrevelanz kaum zu übertreffen: „Glauben Sie, dass die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2013 halten wird?″ Auf diesem Niveau werden auch die nächsten drei Fragen gestellt.
Die fünfte Frage aber ist äußerst delikater Natur. Sie liefert ein anschauliches Beispiel, wie manipulativ beim SPIEGEL offenbar mit Meinungsumfragen umgegangen wird: „Schwarzgeld in der Schweiz: Befürworten Sie den Ankauf sensibler Daten durch deutsche Behörden?″
Beantworten darf man die SPIEGEL-Frage mit JA oder NEIN. Aus meinem Gerechtigkeitsgefühl heraus würde ich sie spontan mit JA beantworten. In Wirklichkeit geht es aber nicht um diese vordergründig simple Frage. Sondern darum, ob ein Rechtsstaat Waren oder Dienstleistungen erwerben darf, die nur durch Rechtsbruch in seinen Besitz gelangen können. Aus meinem Gerechtigkeitsgefühl heraus würde ich dazu eher NEIN sagen. Wüsste ich aber, dass diese sensiblen Daten von Mitarbeitern des deutschen Bundesnachrichtendienstes unter Anstiftung zu Wirtschaftskriminalität beschafft wurden – und das auch noch in einem demokratisch verfassten Nachbarstaat - wäre meine Antwort nicht nur ein gefühltes NEIN.
Solche differenzierten Antworten wollen Herr Mascolo und DER SPIEGEL aber nicht hören. Sonst würden sie ja andere Fragen stellen. Klügere. Und seriösere.
Ich stellte mir deshalb diese Frage: „Ist DER SPIEGEL noch eine lohnende Lektüre?″
Meine Antwort: „Nein.″
Das Peinliche daran: Helmut Kohl hatte doch recht.




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