26. November 07

„Also ich glaube, Strom ist gelb” – 2400 Downloads in 2 Tagen, über 5000 in 4 Wochen

Yellostat

THE LONG TAIL: 1x1000 ist genauso viel wie 20x50

Unter der Schlagzeile „Rarität! Im Buchhandel vergriffen!! Antiquariats-Preise bis zu 127 Euro!!! Jetzt gratis downloaden!!!!” habe ich am 11. Oktober mein Buch 4 Wochen lang gratis ins Netz gestellt. Wollte einfach mal schauen, was passiert. Und jetzt bin ich ganz sprachlos. Noch nie zuvor in meinem Leben bin ich in so kurzer Zeit mit so vielen Komplimenten bedacht worden. Dafür möchte ich mich auf meine Weise sehr herzlich bedanken: mit einem weiteren Gratis-Download meines erfolgreichsten Buches. Demnächst mehr.

19. Oktober 07

Muss Werbung kreativ sein?

Iphonead

Kein bisschen kreativ, aber sehr überzeugend: Die aktuelle TV-Kampagne für das Apple iPhone

Zugegeben, die Frage ist dumm, wahrscheinlich sogar saudumm. Jeder erfolgreiche Unternehmer wird das bestätigen. Vermutlich fallen einem Fragen wie diese nur ein, wenn man Angestellter und Deutscher ist, ein paar Jahre in der deutschen Werbung tätig war und sich mit nichts anderem beschäftigt hat als mit deutscher Werbung. Deshalb wohl befasst sich der Art Directors Club für Deutschland derzeit auffallend intensiv mit solchen Fragen. Da der Verein aber seine eigenen Mitglieder offenbar in professioneller, intellektueller oder kompetenzmäßiger Hinsicht für überfordert hält, derlei Fragen selbst zu beantworten, hat er sicherheitshalber die Unternehmensberatung McKinsey mit der Wahrheitsfindung in dieser Sache beauftragt und das Resultat als Studie vorgelegt. Eine Unterwerfungsgeste des ADC wie aus dem Tierreich, vielleicht aber auch nur ein Schrei nach Liebe und Anerkennung. Dabei ist doch alles sehr einfach.

Ein Unternehmer ist doch nicht daran interessiert, ob seine Werbung kreativ ist, sondern daran, dass sie Erfolg verspricht! Erfolgreich ist Werbung für ihn dann, wenn sie ein relevantes und präzise definiertes Kommunikationsziel in kürzest möglicher Zeit zu den geringst möglichen Kosten erreicht und, wenn möglich, übertrifft. So verschieden Kommunikationsziele sein können, so unterschiedlich fallen auch die Antworten auf die Frage aus, ob kreative Werbung dabei hilfreich oder gar unverzichtbar ist, ob sie als Nebeneffekt hingenommen werden kann oder gar als kontraproduktiv ausgeschlossen werden muss.

Die Werbung für das Apple iPhone in den USA liefert gerade ein paar anschauliche Beispiele.

Stufe 1: Der CEO persönlich stellt im Rahmen einer ganz gewöhnlichen, turnusmäßig stattfindenden Veranstaltungsreihe ein einzigartiges neues Produkt vor, das von äußerst kreativen Menschen entwickelt worden sein muss. Resultat: eine weltweit noch nie da gewesene Medienresonanz.

Stufe 2: Um die Zeit bis zur realen Markteinführung zu überbrücken, wird das Publikumsinteresse über Wochen mit einem sehr kreativen TV-Spot wach gehalten (siehe hier).

Stufe 3: Der Tag der Markteinführung wird von einer Serie von TV-Spots angekündigt, die ausschließlich zeigen, was das Produkt kann und damit demonstrieren, was Mobiltelefone bis jetzt nicht konnten. Handwerklich perfekt umgesetzt – von Kreativität sind nicht einmal Spurenelemente erkennbar.

Stufe 4: Der Tag der Einführung wird begleitet von einem weltweiten, für Apple kostenlosen Mediensperrfeuer.

Stufe 5: Wochen nach der Einführung startet Apple eine Serie von TV-Spots in Form von Straßeninterviews mit realen iPhone-Käufern, die ihre Produktgeschichten erzählen. Wiederum handwerklich brillant umgesetzt, die Werbeidee freilich schon tausendfach erprobt.

Auf der amerikanischen Apple-Website kann man die Werbegenese für kurze Zeit noch anschauen. Bitte hier drücken.

Von Apple können wir aber noch mehr lernen. Der zum besten TV-Spot aller Zeiten gekürte Werbefilm zur Einführung des Apple Macintosh im Jahr 1984 ist ein klassisches Beispiel für eine Wettbewerbssituation, in der herausragende Kreativität unverzichtbar ist. Es lohnt sich, diesen Film nochmals anzuschauen (siehe hier). Werbung dieser Qualität kann man natürlich nur für Produkte machen, die nicht bloss neu, sondern auch innovativ sind. Produktinnovation ist vielleicht die wichtigste Voraussetzung für wirklich große kreative Leistungen in der Werbung.

Aber: Wie so häufig trifft auch das Gegenteil zu. Denn trotz des hohen Innovationsgrads des Macs, der dem Wettbewerb weit überlegen war, stand Apple 13 Jahre nach dessen Einführung kurz vor der Pleite. Um sie abzuwenden, holte man Steve Jobs als Retter zurück - denselben Jobs, den der Aufsichtsrat ein paar Jahre zuvor davongejagt hatte. Er sollte nun die Firma aus der Agonie befreien, in die sie von „Managementprofis” über Jahre deliriert wurde.

Als Jobs seinen neuen Job als Interims-Chef (iCEO) antrat, stand er buchstäblich da wie in des Kaisers neuen Kleidern. Ihm war klar, dass Apple nur mit begeisternden neuen Produkten zu retten war. Um diese aber entwickeln und marktreif machen zu können, brauchte er vor allem eines: Zeit. Diese Zeit überbrückte er mit einer der genialsten Markenkampagnen, die in der Werbung je hervor gebracht worden sind. Einzige Botschaft: „Think different.” (Siehe hier.) Diese Kampagne hat auf großartigste Weise das geschundene Selbstwertgefühl von Apple-Mitarbeitern, -Händlern, -Kunden und -Fans rund um den Globus wieder aufgerichtet und neue Zuversicht verbreitet.

Als Steve Jobs dann aber die neuen, unglaublich frischen, anders- und einzigartigen Produkte fertig hatte, war sofort Schluss mit der kreativen Markenwerbung. Dann war wieder Markenartikelwerbung angesagt. Und die war dann durchgängig von einer ebenso umwerfenden wie brillanten Einfachheit. Kreativität? Fehlanzeige! Mit den derzeit laufenden Print- und TV-Kampagnen hat Apple den Beweis dafür angetreten, dass erfolgreiche Werbung keineswegs kreativ sein muss, sondern dass es vollauf genügt, wenn sie intelligent ist.

Zusammenfassung, gaaaaaaaaaaaanz langsam zum Mitschreiben: Werbung muss nicht kreativ sein, wenn sie ihr Geld wert sein soll. Manchmal darf sie es, manchmal soll sie es, manchmal muss sie es sogar vermeiden. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Amateur.

11. Oktober 07

Rarität! Im Buchhandel vergriffen!! Antiquariats-Preise bis zu 127 Euro!!! Jetzt gratis downloaden!!!!

Yello_buch

Geiz ist geil: 294 Seiten pralles Werbeleben ab sofort für umsonst

Im Kurzurlaub zur Jahrtausendwende habe ich es geschrieben, im Frühjahr 2000 ist es erschienen, von den Medien wurde es in den höchsten Tönen gelobt, zwei Jahre später war es ausverkauft, seit ein paar Monaten häufen sich auffällig die Anfragen, wo man mein Buch über Yello Strom noch kriegen könne, gestern habe ich mal bei Amazon geschaut, was es da kostet: bis zu 127 Euro, das sind satte 300 Prozent über dem ursprünglichen Neupreis. Jetzt stelle ich es mal eine Weile gratis ins Netz, mal schauen, was passiert. Bitte weitersagen. Zum Download geht es hier.

Mehr dazu hier.

04. Oktober 07

„Wowi” Wowereits Berliner Marken-Luftnummer

Berlinmarke

„Ihr Völker der Welt ... Schaut auf diese Stadt.” Klaus Wowereit will als Regierender Bürgermeister aus Berlin eine „Marke” machen

Klaus Wowereit scheint ein schlauer Kopf zu sein und keinerlei Berührungsängste zu haben, weder politisch noch menschlich. Er hat einen bislang ungetrübten Instinkt dafür, was speziell das Berliner Wahlvolk insgeheim erwartet und erhofft, was ihm abverlangt und zugemutet werden kann, was ihm geboten und versprochen werden muss, was politisch getan und was besser unterlassen werden sollte, damit es ihm auf ewig die Treue hält. Die Medienmeute ist ihm ohnehin ergeben, seit er ihr mit seinem tabubrechenden Bekenntnis „Ich bin schwul – und das ist auch gut so” einen verbalen Gassenhauer geliefert hat, der noch lange im kollektiven Gedächtnis unserer Nation verwahrt werden wird. Auch seine schonungslose politische Analyse, wonach Berlin zwar „arm, aber sexy” sei, ist ein rhetorisches Meisterstück, welches völlig vergessen ließ, dass dieser in Wirklichkeit erbärmliche Zustand zum Zeitpunkt der Äußerung auch eine Folge seiner Politik war. Hätte es sich nicht herumgesprochen, dass der amerikanische Präsident John F. Kennedy es war, der den berühmten Satz „Ich bin ein Berliner” gesprochen hat, hielte man den für einen genialen, alle und alles vereinnahmenden Slogan auf einem Wahlplakat Wowereits. „Wowi”, wie die Berliner Medien ihn anbiedernd und anbetend zugleich getauft haben, wird gewählt, wofür andere andernorts abgewählt, und geliebt, wofür andere gehasst würden. In der Großstadt, deren mediale Promi-Hitparade über viele Jahre von einem Kudamm-Discobetreiber und einem zugereisten schwäbischen Friseur angeführt wurde, ist „Wowi” inzwischen der unangefochtene Superstar. Nachdem er sogar vom Titelblatt des amerikanischen Time-Magazine blicken durfte, muss es für ihn allerdings eine bittere Enttäuschung gewesen sein, die Lufthoheit über den Berliner Stammtischen, Vernissagen, Events und politischen Diskursbuden für einige Wochen an „Knut” verloren zu haben. Zumal sein Parteigenosse, Bundesumweltminister Gabriel, schneller als er kapiert hatte, dass man auch mit einem Eisbären auf Stimmenfang gehen kann.

Vielleicht war es diese Erfahrung, die Wowereit angespornt hat, die finale intellektuelle und politische Herausforderung zu suchen, ein Projekt, das ihn unsterblich machen wird. Und er ist fündig geworden: Berlin soll noch während seiner Amtszeit zu einer „Marke” werden. Basierend auf einer leibhaftigen „Markenstrategie” und in aller Welt verkündet durch eine gebenedeite „Dachmarkenkampagne”. „Knut” ist eine Marke, „Wowi” ist eine Marke, „bruno banani” ist eine Marke, da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, mag er sich gedacht haben, wenn man aus Berlin nicht auch eine Marke machen könnte.

Die Marke war mal ein gehaltvoller, geheimnisumwitterter und kommerziell vielversprechender Begriff. Wenn sie sich in der Öffentlichkeit zeigte, dann meist in Begleitung: Markenartikel, Markenname, Markenzeichen. Dann aber, Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, haben sich ein paar äußerst kluge und weitsichtige, aber auch geschäftstüchtige und skrupellose Unternehmensberater dieses Begriffs bemächtigt. Erstmal haben sie ihn von einer Horde geistesgestörter und enthemmter Nachwuchskräfte mehrfach hintereinander vergewaltigen lassen. Als er endlich gefügig war, musste er anschaffen gehen, zunächst im Topmanagement von Konzernen. Als sie schon etwas an Schönheit und Anziehungskraft verloren hatte, führte man die Marke ausgewählten Medienvertretern zu, gratis natürlich. Sie mussten nur ein bisschen was über sie berichten. Jeder durfte mit ihr machen, was er wollte, was natürlich richtig geil war. Der raffinierte Plan: wenn die schon etwas lädierte Nutte erst mal berühmt ist, dann wird sie auch wieder begehrt werden. Und zwar von mehr Managern als je zuvor, zur Not auch von Abteilungsleitern in mittelständischen Betrieben, wenn sie mittags mal Zeit hatten.

Es ist nicht ohne Ironie, dass die Marke, nun, wo sie völlig heruntergekommen ist, auf dem Straßenstrich auf und ab geht und für nichts mehr steht, außer für sich selbst, dass sie ausgerechnet jetzt in das politische Vokabular einzusickern beginnt. Wurden noch vor nicht allzu langer Zeit dümmliche Versuche völlig kulturresistenter Consultants und Profiabzocker, sogar Nationen als Marken zu definieren, von Politikern aller Couleur mitleidig belächelt, sind wir inzwischen soweit, dass schon eine SPD-Politiknachwuchsfachfrau wie Andrea Nahles im Fernsehen ungestraft sagen darf, politisches Ziel müsse sein, „die Marke SPD zu stärken”. Deshalb wundert es nicht, dass nun Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit richtig Lust hat, aus seiner Stadt eine „Marke” zu machen. Der Mann hat ja auch überhaupt keine anderen Sorgen mehr. Berlin auch nicht. Und wir auch nicht. Gute Nacht, Deutschland.

Mehr dazu hier.

26. Februar 07

Neu: Picasso jetzt auch als Fünfsitzer

Picasso

Ausschnitt aus einem Werbefilm zur Einführung des CITROËN Xara Picasso
Foto: Automobiles Citroën

„Nach der erfolgreichen Einführung des siebensitzigen C4 Picasso setzt CITROËN die Erweiterung des Van-Programms fort. Mit dem CITROËN C4 Picasso 5-Sitzer kommt jetzt ein weiterer ausdrucksstarker VisioVan auf die Straßen.” Sagt Citroën gerade auf seiner Website.

Apropos „ausdrucksstark”: Es war offensichtlich gerade der Mangel an Ausdrucksstärke, der CITROËN vor ein paar Jahren bewogen hat, erstmals eine ihrer französischen Blechkisten mit der gekauften Signatur des großen spanischen Künstlers zu etikettieren. Wohl in der Hoffnung, diese damit aufzuwerten – denn nur so ist zu verstehen, warum sie für die Nutzung der Marke Picasso sehr viel bezahlt haben. Wie Picasso selbst vom Maler zur Marke wurde, habe ich vor Jahren in einem Essay für den Berliner TAGESSPIEGEL beschrieben. Titel: Wie Pablo zu Picasso wurde.

22. Januar 07

”It’s not ham! It’s Beckham!“

Beckham

Madrid, 2. Juli 2003: David Beckham präsentiert die Marke Beckham. Foto: dpa

Für angeblich 250 Millionen Dollar, schön eingepackt in einend druckfrischen Fünfjahresvertrag, wechselt der Fußballer David Beckham von Real Madrid zum amerikanischen Klub Los Angeles Galaxy. Allein diese für Normalsterbliche unvorstellbare Summe sorgte für weltweites Medienecho und allgemeine Verwunderung.

Mich erstaunt dieser Vorgang nicht im Geringsten, habe ich doch schon beim Wechsel Beckhams von Manchester United zu Real Madrid die These vertreten, dass er längst kein Fußballer mehr ist, sondern eine Marke – mit dem Markenversprechen sozialer Aufstieg. Hier ein Zitat aus einem Artikel, den ich damals zu Papier gebracht habe:

„David Beckham bittet zur Pressekonferenz, um seinen Wechsel von Manchester United zu Real Madrid bekannt zu geben. 547 Journalisten und 39 Fernsehteams erscheinen, das Ereignis wird in 63 Länder übertragen, über 2 Milliarden Fernsehzuschauer sind live dabei. Schon diese Zahlen allein beweisen, dass hier kein Fußballspieler den Verein gewechselt hat, sondern eine Weltmarke einen Vertriebskanal. ,Er kommt vom Theater der Träume, dem Old-Trafford-Stadion, in die Mannschaft der Träume’, sagt Real Madrids Präsident Florentino Perez zur Begrüßung.

Mehr "”It’s not ham! It’s Beckham!“" »

Buchempfehlungen


  • Ein lehrreiches Buch über meinen Lehrmeister. Mehr ->


    Ein herrlicher Text- und Bildband von einem der berühmtesten Deutschen. Mehr ->


    ADC-prämierte Markenlehre am Praxisbeispiel Pablo Picasso. Mehr ->


    Fallstudien über das Entstehen von Marken. Mehr ->


    Ein Buch über Marken in Zeichen, Symbolen, Gesten und Bildern. Mehr ->


    Der Klassiker über die Entstehung der Marke Yello Strom. Mehr ->

Blog powered by TypePad