reklamehimmel: WIKIPEDIA über Typografie – ein typischer Beitrag zur kollektiven Verblödung

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05. März 07

Kommentare

Es gibt Studien, dass die Fehlerquote von Wikipedia fast annähernd so gering wie bei der Encyclopedia Britannica ist. Aber das kann nur erreicht oder gehalten werden, wenn alle mitmachen. Mit anderen Worten: Wer einen Fehler oder dummes Geschwätzt findet, der legt Hand an und tut sich und seinen Mitmenschen einen Gefallen.

Es gibt nichts Gutes ausßer man tut es - in dem Fall selbst...

»Nicht meckern sondern die offensichtlichen Fehler beheben, nur so funktioniert Wikipedia.«

Um den dann wieder von jemand Anderen korrigieren zu lassen, der evtl. das Thema gar nicht ordentlich beleuchten mag [Stichwort Psychopathen]?

In einem Fachwiki habe ich auch schon mehrmals einige wirklich krasse Schnitzer korrigiert. Da war aber deutlich, dass es sich um unbewusste Fehler handelte. Ich schlage sehr gern in Wikipedia & Co. nach, aber wenn ich wirklich recherchieren will, bemühe ich mittlerweile wieder mehr die Bücher denn je zuvor.

Aus dem neuesten Blog-Eintrag von heute über die Kommentare anderer über Blogs: »Drei erfolgsverwöhnte und medienverhätschelte Männer aus drei unterschiedlichen Kommunikationsdisziplinen, allesamt schon nicht mehr ganz taufrisch, äußern sich unisono despektierlich und überheblich über ein neues Medium (und dessen Nutzer) [...]«.

Aber zwei Tage zuvor noch über die Wikipedia lästern? Der Artikel über Typografie ist kein Ruhmesblatt. Genauso gibt es auch zahlreiche andere lieblose, mit Halbwissen gefüllte Artikel in der Wikipedia. Das ist bei der hohen Artikelzahl auch nicht weiter verwunderlich. Es ist auch nicht der einzige Fall, dass sich bei einem thematisch übergeordneten Lemma bislang niemand die Mühe machte, diesen ernsthaft anzugehen. So füllt sich dann der Eintrag mit kleinen Mini-Beiträgen, die auf die Überarbeitung warten.

Diese Überarbeitungen kommen. Viele sind überhaupt nur in die Wikipedia eingestiegen, um ein vernachlässigten Artikel nun endlich in einen guten Zustand zu bringen. Es gibt viele solcher Artikel. Die Kollektion der von der Gemeinschaft ausgezeichneten Artikel sind ein Beleg dafür.

Deswegen ist es viel zu einfach, hier nur eine Polemik über die »kollektive Verblödung« loszulassen. Eine Herausforderung wäre es, den Artikel selbst zu überarbeiten.

Nicht meckern sondern die offensichtlichen Fehler beheben, nur so funktioniert Wikipedia.

>> Einträge bei WIKIPEDIA [sind] keineswegs immer von „ehrenamtlicher” Qualität ..., sondern auch von Dilettanten, Psychopathen und Egomanen <<

Ich teile diese einschätzung, muss aber ergänzen, dass ich auch schon in anderen medien vieles gelesen habe, das halbgar recherchiert und lauwarm geschrieben war. Sobald man von einer sache richtig viel ahnung hat (das mag vom bierdeckelsammeln bis zur nuklearphysik gehen), merkt man schnell, dass journalisten über alles schreiben müssen, aber kaum alles darüber wissen können. Früher haben sie dann im Spiegel-archiv abgeschrieben, heute geht das schneller per copy-and-paste aus Wikipedia. Leider jedoch werden fehler ebenso schnell kopiert wie wahrheiten. Falsche fakten scheinen sich aber – wie schlechte nachrichten – schneller zu verbreiten. In jedem fall ist misstrauen geboten, zumal eine neue generation von studenten nicht mehr lernt zu lernen. Alles wird gegoogelt, aber nicht hinterfragt. Ich bekomme jeden tag emails der art, einem absender mal schnell alles zu einem thema zu schreiben, das er oder sie gerade als semesterarbeit aufgetragen bekommen hat. Auch ein grund, warum ich in meinem blog viele dieser fragen und themen behandele, denn es sind fast immer die gleichen.

"Vielmehr kann man den Begriff bis zur richtigen Auswahl des Papiers oder des Einbands ausweiten."

Aha, also das war mir auch neu...

für mich klingt der artikel eher wie ein etwas wahlloses sammelsurium an möglichkeiten, die typografie bietet, entnommen aus den genannten quellen, die aber eher »anwender«-hilfen darstellen.

@tobias: dein kommentar ist etwas zynisch, meinst du nicht auch?

ich sehe aber ebenfalls eine mangel in der idee des demokratischen wissens, so verlockend sie sein mag, aber gibt es nicht die idee autoren und artikel nach einem wertigkeitsschema zu klassifizieren? meines erachtens ein MUSS.

auf der anderen seite, ist das »gute wissen« immer noch in büchern zu finden, für die man geld ausgeben muss, die aber eine meist längere halbwertszeit haben, als eine internet-seite, insofern ist mir persönlich sehr daran gelegen, dass die autoren ihr geld bekommen und der verlag ebenfalls, indem ihr brav bücher kauft.

> Eine Volksenzyklopädie kann eben nur
> so klug sein, wie der Durchschnitt des
> Volkes.

Wie kommst du denn darauf? Um in der Wikipedia zu schreiben muss man zuerst einmal einen Internetanschluss haben, dann muss man Wikipedia kennen, d.h. überhaupt einmal Seiten außerhalb von AOL oder autobild.de anklicken. Dann muss natürlich die Motivation da sein, etwas für die Allgemeinheit zu tun.

Ich denke daher, dass die überwiegend meisten Wikipedia-Autoren Akademiker sind, deren Wissen das des "Volksdurchschnitts" bei weitem übersteigt, wenn sie nicht gar über ihr Fachgebiet schreiben.

Wenn man schon meint als ehm. Schriftsetzer (ist kein Typograph) alles besser zu wissen, dann wäre es Dein moralische Pflicht zumindest die gröbsten inhaltlichen Fehler des Wikipedia Artikel zu redigieren.

Selbst Dein Blog-Eintrag hier jedenfalls bringt keine stichhaltigen Argument was denn nun eigentlich falsch sei an dem Typographie Artikel in Wikipedia. Nur lästern ist einfach nicht genug!

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Schwierig wird es erst, wenn sich falsche Fakten – vor allem durch die massenweise Zitierung von Wikipedia – in bisher Ernst zu nehmende Quellen, z.B. Fachbücher einschleicht. Da wird schnell aus einem Beitrag eines »Dilettanten« mal »echte Fakten«. Eine Volksenzyklopädie kann eben nur so klug sein, wie der Durchschnitt des Volkes. Sicher, hier und da sind oft auch immense Wissenressourcen vorhanden, aber die Gefahr, auf Fehlinformationen zu stoßen ist gegeben. Sicher mehr, als es seinerzeit im Brockhaus der Fall war. Ein schwieriges Thema, das auf jeden Fall mit kritischem Blick betrachtet werden sollte.

Uh uh uh. Also einiges kostet nichts in der Welt da draussen und hat ein hohen bis überragenden Wert. Fangen wir besser nicht mit der alten OpenSource Diskussion an :-)

Viele Artikel zu Themenbereichen sind durchaus qualitativ hochwertig und übertreffen bei weitem Brockhaus und Co. Aber wer meint, nur eine einzige Quelle als Informationsbasis heranzuziehen, der hat weder im Studium, noch im Job irgendetwas verloren.

Die Typografie-Definition ist sehr weit, das stimmt. Was aber dann im Buchladen unter Typografie verkauft fällt weitestgehend in die selbe, weite Definition. Dort sind dann aber normalerweise wenig ehrenamtliche Leute mit systematischem Einsortieren beschäftigt. Wobei das vielleicht gar kein schlechtes Modell für die Zukunft wäre.
Über Wikipedia braucht man sich eigentlich nicht mehr streiten. Bei Informationen gilt eben (wie woanders auch): Was nichts kostet hat auch nur bedingten Wert.

Ich sage das jetzt fast schon sehr ungerne: Mir sind schon einige Artikel da sauer auf aufgestossen, daher habe ich die dann flugs mit meinen eigenen Informationen gefüllt und korrigiert. Soweit kann man das wohl machen und ich empfinde miese Qualität da eher als Herausforderung und nicht als Aufforderung darüber zu mosern.
Ein altes Argument ich weiss, aber auch eins was irgendwie zutrifft :-)

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